Herbsttagung im Freiluftmuseum Ballenberg

Der 28. September 2009 war ein Bilderbuchtag. Treffpunkt für unsere Tagung war der Eingang West zum „Ballenberg“. 21 Nasen folgten der Einladung ins Berner Oberland, eine davon weiblich. Das Freilichtmuseum kennen wohl alle, als „Wiederholungstäter“ besucht man es immer wieder einmal. Dass dem Museum auch ein Kurszentrum angegliedert ist, wissen die meisten vielleicht nicht. Und dieses Ausbildungszentrum hat einiges an Überraschungen zu bieten. Das wurde uns bei der anschliessenden Besichtigung schnell klar. Kaffee und Gipfeli warteten bereits auf uns. Der Leiter des Zentrums, Adrian Knüsel, begrüsste die kleine aber
hochkarätige Museumstechniker Schar. Er stellte uns das vielfältige Programm „seines“ Zentrums
vor. Was da alles an Workshops und Kursen angeboten wird, ist gigantisch. Wir staunten echt.
Ein Rundgang durch das Gebäude lieferte dann den Beweis: Da wird gewerkt, vermittelt und
gelehrt. Drei Kurse fanden an unserem Besuchstag statt. Emsiges Werken in der Alphorn-
Werkstatt. Die Kursteilnehmer fertigten hier unter kundiger Anleitung ihr eigenes Alphorn.
In einer weiteren Werkstatt erlernten Frauen die Technik des Filzens. Männer würden sich kaum
je für’s „Filzen“ interessieren, liess man uns wissen. Noch in der Startphase waren die
Nassdrechsler. Sie hatten eben begonnen, sich die spezielle Arbeitweise des Drechselns von
frischem Holz beizubringen. Eine kleine Auswahl von Gegenständen unterschiedlichster Art und
Material zeigte uns dann, was sonst noch in den Räumen des Zentrums gewerkt wird. Vom
Schmieden des eigenen Damaszener Messers, über das Fertigen eines rahmengenähten
Schuhes. Auch Glasblasen, Drechseln und was da alles noch zu erlernen wäre.
Unser Hunger nach Wissen und Können wurde abgelenkt vom Rauchgeschmack im Freien. Das
Mittagessen war angesagt. Auch hier stand der Leiter Adrian Knüsel an vorderster Front. So zu
sagen in der Feuerlinie. Zwei im Ausbildungszentrum angefertigte Pizzaöfen aus Eselsmist, Lehm
und Stroh waren schon in voller Glut. Alles war bestens vorbereitet. Unter kundiger Anleitung
„kochte“ sich jeder seine eigenen Flammkuchen. Die Zutaten waren reichlich vorhanden, satt
wurden alle. Wein floss durch unsere Kehlen und es wurde die eine oder andere Räubergeschichte
aus dem Arbeitsumfeld zum Besten gegeben. Ein Kaffee schloss die gemütliche
Essensetappe ab.
Nach einem kurzen Marsch, der die Verdauung positiv beeinflusste, besichtigten wir das
„Maison de Villars Bramard“. Im Innern loderte wie zu Gotthelfs Zeiten ein Feuer. Anton
Reissacher und Brigit Müller vom Ballenberg erklärten uns die Problematik, die durch das
authentische „bespielen“ der alten Häuser entsteht. Russ und Staub muss man durch
unermüdliches Reinigen in den Griff bekommen. Ein aufwändiger Reinigungsplan sorgt dafür,
dass nichts vergessen wird und die vielen Besucher davon möglichst wenig mitbekommen.
Abschliessend besuchten wir das „Tessin“. Die Seidenraupenzucht ist zum grossen Stolz des
Ballenberges geworden. Eigene Maulbeerbäume liefern den hungrigen Raupen Blätter, das
einzige Futter, das sie annehmen. Dass die jungen Bäume optimalen Ertrag an Futterblätter
liefern, ist von vielen Faktoren abhängig. Da hier zu Lande kaum Wissen überliefert wurde, muss
nun allerlei ausprobiert werden. Exklusiv konnten wir dann im Zuchtraum die Raupen, Kokons
und Falter besichtigen. Die Kokons liefern den Seidenfaden, aus dem schliesslich wertvolles
Seidentuch gewoben wird. Früher war dies eine „Industrie“, die im Tessin heimisch war und
finanziell einiges einbrachte.
Der Rückweg zum Ausgang wurde von einigen zum Einkauf einer Ballenbergwurst genutzt.
Der Besuch im Ballenberg mit Gleichgesinnten hat sich zweifellos gelohnt. Die Organisatoren
hatten uns ein sehr interessantes Programm zusammengestellt. Es wurden uns Einblicke
ermöglicht, die dem „normalen“ Besucher verborgen bleiben. Vielen Dank den „Ballenbergern“
und unseren Mannen von der IG-Museumstechniker für die organisatorische Arbeit.
Wir kommen wieder, garantiert!
Mehr Info: www.ballenbergkurse.ch
Herbst 2009, edy felder